Linkparade 01.15

Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.
(Erich Fried, österreichischer Lyriker)

Die Fabel vom Fuchs, dem Wichtelmann Paul, Heinz dem Zwerg und dem Esel

2009 hatte ich ein Projekt zur Migration der Windows Server Infrastruktur auf Linux. In dieser Zeit fiel mir die nachfolgende Fabel ein. Es geht in der Fabel um frei zugängliche Mittel (open source) zur Erstellung einer Infrastrukturkomponente (Haus) und die Herangehensweise verschiedener Kunden (Fuchs, Paul, Heinz, Esel). Verschiedene Dienstleister (Bär, Biber, Pferd, Ameisen) bedienen sich an den frei zugänglichen Mitteln um die Kunden zu bedienen, nur ein Dienstleister (Krähe) bedient sich eigener Mittel (proprietäre Mittel).

Es war einmal ein Pinguin. Er lebte im kalten Norden und wollte einen eigenen Wald haben. Da fing er einfach an die ersten Bäume zu pflanzen. Alle Tiere die ihm begegneten sagten: „Das wird doch sowieso nichts. Warum steckst du da deine Arbeit rein?“ Doch die Bäume wuchsen und der Pinguin war glücklich. Nach langer Arbeit hatte er einen kleinen Wald.

Jetzt kamen die Tiere und sagten: „Du musst einen Zaum um deinen Wald bauen, damit nicht jeder in deinen Wald hinein laufen kann!“ Doch der Pinguin war so glücklich über seinen Wald, dass er ihn allen Tieren zeigen wollte und so machte er keinen Zaun herum. Die Tiere kamen und freuten sich über den Wald. Und nach einiger Zeit kamen die ersten Tiere und brachten weitere Bäume mit und pflanzten sie ebenfalls in den Wald. Der Wald wurde größer und größer.

Eines Tages kam die Krähe und sah den Wald. Sie sagte zu dem Pinguin: „Das ist ein toller Wald. Damit kann man viel Geld verdienen! Ich will dir den Wald abkaufen.“ Doch der Pinguin wollte den Wald nicht verkaufen an dem so viele Tiere mitgearbeitet haben und so viel Freude daran hatten. Also hatte er eine Idee.

Der Wald soll für immer allen Tieren gehören. Jeder soll ihn nutzen können, aber niemand soll den Wald besitzen. Also machte er einen Vertrag mit allen Tieren. Ab diesem Zeitpunkt konnte jeder den Wald nutzen. Die Tiere waren glücklich und es kamen immer mehr Tiere und machten mit und der Wald wurde größer und größer.

Eines Tages kam der Fuchs zu dem Pinguin und sagte: „Ich will mir ein Haus bauen. In deinem Wald sind so viele Bäume, kann ich mir davon einige Bäume für mein Haus nehmen?“ Der Pinguin und alle Tiere die den Vertrag unterschrieben hatten sagten: „Natürlich darfst du dir einige Bäume nehmen. Du musst nur allen sagen, dass du die Bäume aus dem freien Wald hast.“

Also holte sich der Fuchs einen Baum aus dem Wald und bearbeitete ihn. Danach holte er den nächsten Baum und bearbeitete ihn abermals. Dies sah der kleine Wichtelmann Paul. Er ging zu dem Fuchs und sagte: „Was machst du da? Woher hast du das tolle Holz?“ Der Fuchs tat wie ihm die anderen Tiere sagten und erzählte dem Wichtelmann von dem freien Wald und das er für die Bäume kein Geld bezahlen musste. Dann erzählte er weiter, dass er sich Schritt für Schritt ein kleines Haus bauen möchte.

Da ging der Wichtelmann Paul zu dem Wald. Er begegnete dem Bären. Der Wichtelmann erzählte dem Bären, dass er sich auch ein Haus bauen möchte, so wie der Fuchs. Da sagte der Bär: „Gib mir etwas Geld und ich zeige dir die besten Bäume.“ Der Wichtel sagte: „Warum soll ich dir Geld dafür geben? Die Bäume sind doch kostenlos!“

Im Wald begegnete der Wichtelmann dem Biber. Der Biber sagte zu dem Wichtelmann: „Gib mir etwas Geld und ich fälle dir die Bäume, die du haben möchtest.“ Der Wichtelmann antwortete ihm: „Warum soll ich dir Geld dafür geben? Die Bäume sind doch kostenlos!“

Da begegnete der Wichtelmann dem Pferd. Das Pferd sagte: „Gib mir etwas Geld und ich ziehe dir die Bäume aus dem Wald bis zu deiner Baustelle.“ Aber der Wichtelmann sagte: „Das mache ich selbst. Warum soll ich dir Geld dafür geben? Die Bäume sind doch kostenlos!“

Danach begegnete der Wichtelmann den Ameisen. Die Ameisen sagten: „Gib uns etwas Geld und wir bauen dir das schönste Haus.“ Doch der Wichtelmann sagte wieder: „Warum soll ich euch Geld dafür geben? Die Bäume sind doch kostenlos!“

Der Wichtelmann Paul lief also durch den riesengroßen Wald und suchte die schönsten Bäume. Er fällte sie und zog sie selbst aus dem Wald bis zu seiner Baustelle. Dann begann er aus den Bäumen Bretter und Balken zu schneiden.

Zu dieser Zeit kam der Zwerg Heinz zu dem Wald. Auch er wollte ein schönes Haus haben. Er gab dem Bären etwas Geld damit er ihm die schönsten Bäume zeigt. Dann holte er den Biber und gab ihm etwas, damit dieser die Bäume fällt. Auch das Pferd bekam etwas und zog die Bäume bis zur Baustelle. Und die Ameisen bekamen etwas Geld. Sie bearbeiteten die Bäume und bauten dem Zwerg ein wunderschönes Haus.

Nun kam der Esel des Weges und sah wie der Fuchs an seinem Haus baute. Er sah auch den Wichtelmann Paul und den Zwerg Heinz. Da sagte er zu der Krähe, die das alles mit Argwohn beobachtete: „Ich möchte auch ein Haus haben, damit ich im Winter nicht frieren muss.“ Die Krähe sagte zu dem Esel: „Gib mir Geld und ich baue dir ein Haus in dem du nicht frieren muss. Du musst dich auch um nichts kümmern.“ Der Esel gab der Krähe viel Geld und die Krähe baute ihm ein Haus. Der Esel musste sich um nichts kümmern, alles machte die Krähe.

Das Haus des Esels war als erstes fertig, obwohl er als Letzter angefangen hatte. Da sagte er zu dem Fuchs und zu dem Wichtelmann Paul und zu dem Zwerg Heinz: „Ihr seid doch dumm! Ich habe der Krähe Geld gegeben und ich musste mich um nichts kümmern und mein Haus ist als erstes fertig.“

Dann wurde das Haus von Heinz dem Zwerg fertig. Es war ein schönes Haus. Der Zwerg setzte sich auf eine Bank vor seinem Haus und freute sich. Jeden Tag freute er sich erneut über sein wunderschönes neues Haus. Auch der Fuchs wurde fertig. Es war das kleinste Haus, aber der Fuchs war bescheiden.

Das sah der Wichtelmann Paul, der immer noch Bretter aus den Bäumen schnitt und noch kein Stück von seinem Haus fertig hatte. Da setzte er sich auf einen harten Stein vor seiner Baustelle und weinte bitterlich. Da kam die Fee zu dem weinenden Wichtelmann und fragte ihn: „Warum weinst du, du kleiner Wicht?“ Paul schaute zu der Fee auf und erzählte ihr: „Alle haben ihr Haus fertig, nur ich nicht. Bald kommt der Winter und ich habe immer noch kein Haus. Kannst du mir nicht helfen? Kannst du nicht mit deinem Zauberstab herumwedeln, damit auch mein Haus schnell fertig ist?“

Die Fee lachte und sagte: „Das mit dem Zauberstab gibt es nur im Märchen. Du wolltest dem Bären kein Geld geben, du wolltest dem Biber und dem Pferd und auch den Ameisen nichts geben. Du wolltest alles selber machen. Jetzt hast du die Bescherung.“

Der Esel schaute sein Haus an und betrachtete dann das Haus von dem Zwerg Heinz. Heinz hatte ein tolles Haus und dem Esel viel auf, dass an seinem Haus einige Dinge nicht so waren, wie es bei dem Haus von dem Zwerg war. Da ging der Esel zu der Krähe und fragte sie: „An meinem Haus sind keine Fenster. Warum hat der Zwerg Fenster und ich nicht?“ Die Krähe sagte: „Du wolltest Fenster haben? Das hättest du mir sagen müssen. Das kostet extra.“

Dann fragte der Esel weiter: „Warum habe ich keine Türe, so wie der Zwerg?“ Die Krähe entgegnete: „Du wolltest eine Türe haben? Das hättest du mir sagen müssen. Das kostet extra.“

„Und warum habe ich kein Badezimmer?“ fragte der Esel. Und wieder sagte die Krähe: „Du wolltest ein Badezimmer haben? Das hättest du mir sagen müssen. Das kostet extra.“

So liebe Kinder! Nun ist die Geschichte zu Ende. Nun überlegt selbst wer der schlaueste von Allen und wer der dümmste von Allen war. War vielleicht der Esel der schlaueste, weil er sich um nichts kümmern musste? Oder war vielleicht der Wichtelmann Paul der schlaueste, weil er nichts bezahlen musste?

Linkparade 11.14

Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.
(Terry Pratchett, Schriftsteller)